Aufleger | Bünnagel | Stumreich | Viaene

Parallel zu der Schau in und um Haus Kemnade wird im Kunstmuseum Bochum als assoziiertes Projekt die Ausstellung The Sound Is Where? mit vier aktuellen Positionen der Klang- und Medienkunst gezeigt, die sich mit Relationen von Klängen und Orten, aber auch Fragen nach der An- und Abwesenheit von Klang auseinandersetzen.

Programm

11 Uhr
Ausstellungseröffnung

12 Uhr
Performance: Pluralistisches Solotonorchester
Albrecht Fersch spielt seine instrumentale Installation
Im Ausstellungsraum des Kunstvereins

14 Uhr
Kuratorenführung mit Reinhard Buskies

15 Uhr
Performance: Pluralistisches Solotonorchester
Albrecht Fersch spielt seine instrumentale Installation
Im Ausstellungsraum des Kunstvereins


Albrecht Fersch spielt anlässlich der Ausstellungseröffnung Kemnade klingt! 2022: SOUNDING BOCHUM seine instrumentale Installation im Ausstellungsraum des Kunstvereins Bochum im Kulturhistorischen Museum Haus Kemnade.

In einer Zeit, in der der Kopfhörer zum alltäglichen Begleiter wird und uns von der akustischen Welt um uns isoliert, widmet sich Katja Kölle in den von ihr organisierten Hörgängen dem bewussten Hinhören auf die Klänge in unserer Umgebung.
In den 60-minütigen Spaziergängen werden vermeintlich vertraute Orte in und um das Bochumer Kunstmuseum neu gehört und nochmals anders erfahrbar gemacht. Das Hören selbst wird zum Erlebnis. Anmeldung erforderlich.

In dem Workshop werden die Grundlagen der elektronischen Klangerzeugung spielerisch vermittelt und jeder Teilnehmer baut seinen eigenen kleinen Synthesizer. Die Maschinen können Piepen, Brummen, Rauschen, Pfeifen, Summen; sie können Bleistiftzeichnungen in Klänge verwandeln, elektro magnetische Wellen hörbar machen oder „wilde“ rhythmische Beats erzeugen. Der Work shop ist Teil des Ferienprogramms der PowerPiraten der Stadtwerke Bochum. Eine Abschlusspräsentation der Workshops in Form einer Klangperformance ist im Atrium des StadtwerkeGebäudes geplant.
Sommerferien
Max. 12 Teilnehmer
Anmeldung erforderlich.

In einer Zeit, in der der Kopfhörer zum alltäglichen Begleiter wird und uns von der akustischen Welt um uns isoliert, widmet sich Katja Kölle in den von ihr organisierten Hörgängen dem bewussten Hinhören auf die Klänge in unserer Umgebung. In den 60-minütigen Spaziergängen werden vermeintlich vertraute Orte in und um das Bochumer Kunstmuseum neu gehört und nochmals anders erfahrbar gemacht. Das Hören selbst wird zum Erlebnis. Anmeldung erforderlich.

In ihren Klangperformances erkunden Ralf Schreiber und Christian Faubel elementare Wechselwirkungen von Ton und Material. Die Künstler produzieren sounds, noise und visuals, indem sie diverse selbstgebaute Klangerzeuger auf den Auflageflächen von Tageslichtprojektoren live spielen und als Schattenspiel in Echtzeit visualisieren.

variables II lässt die Rezipientinnen zu Akteurinnen im physischen und akustischen Raum werden. Über vier Lautsprecher wird das Hintergrundrauschen der Stadt in den Raum gespielt. Die Teilnehmerinnen bewegen sich im Raum und erhalten über tragbare Module auf den Ort abgestimmte Handlungsund Höranweisungen. Mit den Modulen können die Teilnehmerinnnen wiederum ihre Höreindrücke beeinflussen und verändern. Wahrnehmungen an den Übergängen von vermeintlich Innerem und Äußerem werfen Fragen zu Prozessen von Verortung und Orientierung auf. variables II findet als partizipative Installation am Samstag, 27.8.2022 in der Zeit von 14 bis 18 Uhr statt. Die Performance startet jeweils zur vollen und halben Stunde. Pro Durchlauf können max. 6 Personen teilnehmen.

Franziska Windisch arbeitet vor allem mit den Medien Sound und Musik. Zu ihrem Werk gehören Rauminstallationen, Konzerte und Performances. 2010 wurde sie mit dem Förderpreis des Landes NordrheinWestfalen für junge Künstlerinnen und Künstler in der Sparte Medienkunst ausgezeichnet. In dem Artist Talk spricht Franziska Windisch über ihre performative Installation für Bochum, das künstlerische Arbeiten mit Klang sowie die Bedeutung des Hörens.

In ihren Klangperformances erkunden Ralf Schreiber und Christian Faubel elementare Wechselwirkungen von Ton und Material. Die Künstler produzieren sounds, noise und visuals, indem sie diverse selbstgebaute Klangerzeuger auf den Auflageflächen von Tageslichtprojektoren live spielen und als Schattenspiel in Echtzeit visualisieren.

Klänge und Geräusche sind essentieller Bestandteil unserer Welterfahrung. Anders als das Sehen, das sehr bewusst unsere Vorstellung von der Welt um uns bestimmt, sind wir uns der Bedeutung des Hörens für unsere Orientierung in der Welt zumeist weit weniger bewusst. Im 20. Jahrhundert werden die Klänge und Geräusche der uns umgebenden Alltagswelt zum Material der Kunst und damit zum Gegenstand einer künstlerischen Befragung und Reflexion. Ebenso wirken auditive Praktiken in vielfältiger Weise prägend auf unser Umfeld zurück. Klang ist stets zugleich Phänomen und Bedeutungsträger.

Das Symposium widmet sich ästhetischen, historischen und sozialen Fragestellungen, die sich mit den vielfältigen Erscheinungsformen klanglicher Ereignisse und Äußerungen verbinden. Kunsttheoretische Aspekte spielen dabei ebenso eine Rolle wie Forschungen zur Klangökologie oder eine Betrachtung feministischer Impulse im Bereich der akustischen Kunst.

Mit: JULIA ECKHARDT (QO2, Brüssel), SABINE SANIO (UdK, Berlin), HANS W. KOCH (KHM, Köln), REINHARD BUSKIES (Kunstverein Bochum).

PROGRAMM

13:00 Uhr        Begrüßung und Einführung

13.30 Uhr        Sabine Sanio (Universität der Künste, Berlin)

                        Raumkonzepte der Klangkunst und das Reale des Klangs.

                        Zu einigen Besonderheiten einer Kunst im Grenzbereich

                        zwischen Musik und Bildenden Künsten

Seit wann und warum ist der Raum zu einem zentralen Moment in der Zeitkunst Musik geworden? Und worin unterscheiden sich bis heute dennoch Musik und Klangkunst, die man zum besseren Verständnis gerne auch als Klanginstallationskunst bezeichnet?

– Lange war der Raum in der Musik nur auf eine äußerst subtile, fast subversive Weise präsent. Inzwischen sind Raumkonzepte allgegenwärtig und etwa Soundwalks im Freien, ob in der Natur oder im städtischen Raum, fast zu einem partizipativen Massenphänomen geworden. Demgegenüber sollen in diesem Vortrag einige Positionen in Musik und vor allem in den Sonic Arts vorgestellt werden, die auf den Komplexitätszuwachs, der heute bei den kompositorischen Strategien ebenso beobachtet werden kann wie im musikalischen Rezeptionsverhalten, konsequent mit einer radikalen Reduktion in der Wahl der Mittel, Materialien und Aufführungssituationen reagieren. Die vorgestellten Beispiele sollen neben verschiedenen klanglichen Phänomenen auch neue musikalische Strategien in der Arbeit mit der Aufführungssituation und dem (musikalischen) Raum anschaulich machen.

14:30 Uhr        Reinhard Buskies (Kunstverein Bochum)

                        Wie das Geräusch in die Kunst kam

                        Zum Wandel der Klangästhetik in den Avantgarden der frühen Moderne

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten Geräusche keinen Platz im ästhetischen System der Künste. Erst mit den Avantgarden des 20. Jahrhunderts findet das Geräusch weitgehend Einzug zunächst in die Welt der Musik, und im Zuge der Etablierung einer audiovisuellen Medienkunst sowie der Klangkunst auch auf dem Felde der Bildenden Kunst. Der Vortrag beleuchtet die Neuausrichtung der ästhetischen Konzepte, auf deren Basis eine Emanzipation des Geräuschs überhaupt erst denkbar wird.

15:30              Pause

16:00 Uhr        Julia Eckhardt (Q-O2, Brüssel)

                        Was ist gute Musik

                        Musikalische Qualität und die Notwendigkeit des Urteilens

Musikalische Qualität ist ein Begriff, der aufgrund seiner willkürlichen und undurchsichtigen Parameter zu Ausgrenzung und Diskriminierung führen kann. Zugleich können die meisten Menschen nur schwer beschreiben, was an einer Musik sie bewegt und ihr dadurch Qualität verleiht. In diesem Vortrag wird dieser Begriff mit Hilfe von Hannah Arendts Ideen über das Urteils und aus feministischer Perspektive gedeutet, um zu einem gerechteren und transparenten Modell von musikalischer Qualität zu gelangen.

17:00 Uhr       hans w. koch (Kunsthochschule für Medien, Köln)

                        hören und hören lassen

                        akustische umweltverschmutzung und ihre auswirkungen

                        auf den zusammenhalt des lebendigen

was john cage 1927 in seiner preisgekrönten high school abschlussrede "other people think" empfahl (und was natürlich keinerlei resonanz hervorbrachte), nämlich ein innehalten der (US-)industrieproduktion, um überhaupt hören zu können, wie auch andere völker denken, wurde 2020 in globalem maßstab durch die pandemie teilweise eingelöst: nicht nur der individualverkehr der sich zunehmend isolierenden bevölkerung nahm in manchen regionen stark ab, auch die weltweite (handels)schiffahrt wurde massiv eingeschränkt. dieser hiatus machte im kontrast messbar, wie massiv unser emsiges treiben und der damit verbundene lärm sonst nicht nur die kommunikation unserer nichtmenschlichen mitwesen massiv stört, sondern diese geradezu final zum verstummen bringen kann. noch einmal wurde, wenn auch nur für einen kurzen moment, deutlich, dass der akustische zustand der umwelt genauso zu den lebenserhaltenden ressourcen zählt wie der zustand von luft oder wasser - und zwar mit auswirkungen auf alle spezies.

18:00 Uhr       Abschlussrunde

Termin:
FREITAG, 26.8.2022, 13:00 BIS 18:30 UHR

Ort:
Kunstmuseum Bochum
Kortumstr. 147
44791 Bochum
www.kunstmuseumbochum.de
Eine Veranstaltung des Kunstvereins Bochum
www.kunstverein-bochum.de

Die Teilnahme ist kostenlos.
Um Anmeldung wird gebeten über Kunstmuseum Bochum:
museum@bochum.de oder 0234 9010 42 30
alternativ über
kontakt@kunstverein-bochum.de oder 0151 42 330 325

Öffentliche Führungen immer am dritten Sonntag im Monat, am 19.6., 17.7. und 21.8. jeweils um 15 Uhr im Haus Kemnade.

Information:
kontakt@kunstverein-bochum.de
Tel. 0151 42 330 325

Öffentliche Führungen immer am dritten Sonntag im Monat, am 19.6., 17.7. und 21.8. jeweils um 15 Uhr im Haus Kemnade.

Information:
kontakt@kunstverein-bochum.de
Tel. 0151 42 330 325

Öffentliche Führungen immer am dritten Sonntag im Monat, am 19.6., 17.7. und 21.8. jeweils um 15 Uhr im Haus Kemnade.

Information:
kontakt@kunstverein-bochum.de
Tel. 0151 42 330 325

Öffentliche Führungen immer am dritten Sonntag im Monat, am 19.6., 17.7. und 21.8. jeweils um 15 Uhr im Haus Kemnade.

Information:
kontakt@kunstverein-bochum.de
Tel. 0151 42 330 325

Das Trio Reinald Noisten (Klarinette), Katharina Bohlen (Sografon) und Claudius Reimann (Klarinette) entfaltet in seinen Improvisationen ein subtiles Wechselspiel von Klangstrukturen im Raum. Bei dem Konzert im Kunstverein Bochum interagieren die Musiker*innen mit Abrecht Ferschs „pluralistischem Solotonorchester“ und beziehen dessen vielfältige Klangoptionen in ihr Spiel mit ein.

Anmeldung und weitere Informationen unter:

Tel. (0151) 42 330 325

Anmeldung und Information:
Tel. (0151) 42 330 325

Kulturhistorisches Museum der Stadt Bochum - Haus Kemnade
An der Kemnade 10
45527 Hattingen
www.kunstverein-bochum.de
Di – So: 12 – 18 Uhr

Anfahrt:
A 43, Abfahrt Witten-Herbede, Richtung Hattingen
Bushaltestelle: Hattingen, Haus Kemnade [Linie CE31]

SOPHIA BAUER | FRAUKE BERG | FRAUKE ECKHARDT | JORN EBNER | ALBRECHT FERSCH | LUKAS GRUNDMANN | TIMO KAHLEN | HANS W. KOCH | KATJA KÖLLE | ADAM LOFTEN & EMANUEL VAUGHAM-LEE FEATURING GORDON HAMPTON | CLAUDIA MÄRZENDORFER

Das idyllisch gelegene Haus Kemnade beherbergt als Bochumer Kulturstandort sowohl den Kunstverein Bochum als auch die Musikinstrumentensammlung Hede und Hans Grumbt, die größte ihrer Art in Nordrhein-Westfalen. Das Klangkunstprojekt bezieht das gesamte Haus mit ein. Installative Videoarbeiten setzen in der Instrumentenausstellung neue Kontexte, subtile klangkünstlerische Eingriffe erwecken die stummen Instrumente zu neuem klanglichen Leben und eine raumgreifende Klanginstallation vereint bislang nicht ausgestellte Objekte der Instrumentensammlung zu einem vieltönigen Geräuschorchester. Andere Arbeiten reflektieren auf klangkünstlerische Weise ökologische Themen oder untersuchen unsere visuelle und auditive Welterfahrung in Zeiten zunehmender digitaler Medialisierung und Globalisierung.

Weitere Arbeiten bespielen den weitläufigen Außenbereich um Haus Kemnade herum. Auf der Wiese hinter dem Haupthaus realisiert hans w. koch in einem ehemaligen Bauwagen eine audiovisuelle Installation, die das optische Prinzip der Lochkamera, die die Außenwelt stets auf dem Kopf stehend abbildet, auf die Welt der Klänge überträgt. Frauke Eckhardts Installation translocation_link lädt die Besucher*innen ein, auf einem Audio-Liegekissen den Umraum aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen, und Katja Kölle fügt der historischen Allee an der Nordseite der Burg mit metallischen Windspielen eine neue Klangebene hinzu.

Haus Kemnade
An der Kemnade 10
45527 Hattingen
Tel. 02324 – 30268

www.kunstverein-bochum.de

Öffnungszeiten:
Di. – So., 12 – 18 Uhr

Anfahrt:
A 43, Abfahrt Witten-Herbede, Richtung Hattingen
Bushaltestelle: Hattingen, Haus Kemnade [Linie CE31]

ALBRECHT FERSCH

Im Ausstellungsraum des Kunstvereins realisiert der Berliner Künsteler Albrecht Fersch eine raumgreifende Klaninstallation und vereint bislang nicht ausgestellte Objekte der Musikinstrumentensammlung zu einem vieltönigen Geräuschorchester.

(Für Max Imdahl) / Museum unter Tage

ULLI GÖTTE | SOPHIA BAUER

Nevelstr. 29 c (im Parkgelände von Haus Weitmar)
44795 Bochum
www.situation-kunst.de
Mi – Fr: 12 – 18 Uhr, Sa, So: 12 – 18 Uhr

Ulli Götte verbindet in seiner Klangarbeit "Line" für den Außenbereich am Kubus im Weitmarer Schlosspark unter schiedliche Elemente wie Klavierklänge, Vokalklänge und Sprache zu einer polyphonen Komposition, die auf die unterschiedlichen historischen, funktionalen und architektonischen Aspekte des Ortes um die Ruine von Haus Weitmar verweist.

Die 8-minütige Komposition erklingt samstags und sonntags jeweils um 15 Uhr vor der Ruine im Bereich vor dem Eingang zum Museum unter Tage.

KATJA AUFLEGER | JULIA BÜNNAGEL |
KATHRIN STUMREICH | ELS VIAENE

Kunstmuseum Bochum
Kortumstr. 147
44791 Bochum
www.kunstmuseumbochum.de
Di, Do – So: 10 – 17 Uhr,
Mi: 12 – 20 Uhr

Parallel zu der Schau in und um Haus Kemnade wird im Kunstmuseum Bochum als assoziiertes Projekt die Ausstellung The Sound Is Where? mit vier aktuellen Positionen der Klang- und Medienkunst gezeigt, die sich mit Relationen von Klängen und Orten, aber auch Fragen nach der An- und Abwesenheit von Klang auseinandersetzen.

Bergstraße 68a
44791 Bochum
gegenüber Kunstmuseum Bochum am Eingang des Stadtparks

JULIA BÜNNAGEL

Julia Bünnagel bespielt das bodentiefe Fenster des denkmalgeschützten Hauses am Stadtpark mit einem neonfarbenen Kachelmuster aus QR-Codes. Über den QR-Code wird mittels Smartphone eine Klangarbeit Bünnagels hörbar.

Stadtpark Bochum
Bergstraße / Kurfürstenstraße / Klinikstraße / Gudrunstraße
44787 Bochum

MICHAEL POHL

Für den Bochumer Stadtpark hat Michael Pohl in Zusammenarbeit mit weiteren Künstlern einundzwanzig ortsspezifische Audiostücke geschaffen, die per Smartphone-App an verschiedenen Orten im Park hörbar werden.

Die App kann im App Store oder im Google Play Store unter „Sehen Sie hier“ oder über folgenden QR-Code kostenlos heruntergeladen werden:

*1983, lebt und arbeitet in Berlin
www.katjaaufleger.com

Opus Eins
2014

Katja Aufleger bespielt den ersten Ausstellungsraum der Musikinstrumentensammlung mit der Klangarbeit Opus Eins, die hier auf die in Vitrinen ausgestellten Instrumente des klassischen Sinfonieorchesters trifft. Über unsichtbare Lautsprecher erklingt die Stimme der Künstlerin im Raum, die gedankenverloren ein Musikstück vor sich hin summt. Im Kontext der stummen musealen Präsentation der Instrumente evoziert Katja Auflegers klangliche Intervention in der Vorstellung der Rezipient*in ein inneres Wechselspiel latenter Sinnbeziehungen zwischen Gesehenem und Gehörtem.

Haus Kemnade, Kulturhistorisches Museum

Conversation Piece
2014

Im Kunstmuseum Bochum zeigt Katja Aufleger mit Conversation Piece eine Arbeit, die gänzlich auf Klang verzichtet, jedoch klangliche Assoziationen in hohem Maße mit einschließt. Zu sehen sind drei Dirigenten, die – tonlos – in unterschiedlichem Stil das gleiche Musikstück dirigieren. Die Mimik der Dirigenten und ihr Umgang mit dem Taktstock sind unterschiedlich und verraten uns weder etwas über das Orchester und die eingesetzten Instrumente noch über das Spiel, das sie leiten. Der Titel der Installation, Conversation Piece, leitet sich aus der Genremalerei her und steht dort für
ein informelles Gruppenporträt, das die Personen in Gesprächen darstellt oder auch beim gemeinsamen Musizieren.
Katja Aufleger lässt die Akteure allerdings nicht in Interaktion miteinander treten, sondern stellt sie isoliert voneinander dar. Die Konversation zwischen ihnen stellen vielmehr wir als Betrachter her, indem wir die einzelnen Bildereignisse miteinander verknüpfen.

Kunstmuseum Bochum
im Rahmen der Ausstellung The Sound Is Where?

Sum Of Its Parts
2012
Vinyl record
12 in. 2 x 20 min.
A-side northern hemisphere
B-side southern hemisphere

Lichtreflexe auf der Oberfläche einer Schallplatte lenken den Blick auf die Umrisse der fünf Kontinente und geben, wie auch das Plattencover, einen Hinweis darauf, was hier den Ton angibt. Es ist die Erde, die nördliche Hemisphäre auf der A- und die südliche Hemisphäre auf der B-Seite des Vinyls. Beim Abspielen fährt der Tonabnehmer spiralförmig vom Äquator zum Pol etwa 530 mal um die Erde, 33 mal pro Minute, eine Erdumrundung in 1,8 Sekunden. Die verschiedenen Höhen der Erdoberfläche wurden hierfür in Frequenzen übersetzt. Ein Meter über dem Meeresspiegel entspricht einem Hertz. Der Mount Everest ist somit der höchste hörbare Ton und das Meer gibt die Pausen vor. Die Erdoberfläche bestimmt die Tonhöhe und die daraus entstehende Soundspur lässt wiederum die Landkarte auf der Platte erkennen.

Remaining Pieces
2020
Vinyl record
12 in., 2 x 40 min.
A-side nearside of the moon
B-side far side of the moon

Wie oft bei Katja Aufleger geht es auch bei Remaining Pieces um die Bezüge zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, Wissen und Erfahrung – um das Sichtbare, das Sagbare und um das, was wir spüren. Die Klänge, die beim Abspielen ihrer Schallplatte erklingen, sind die maßstabsgetreue Übersetzung der Mondoberfläche in Tonfrequenzen. In Entsprechung dazu erkennen wir auf der Oberfläche des Tonträgers eine Kraterlandschaft – ein optischer Effekt, der sich ergibt, wenn sich das Licht in der Tonspur bricht. Wir hören eine akustische Topografie, aber der Sound lässt an die Weite des Alls denken. An eine kosmische Melodie oder an die Signale, die die Menschheit aussendet auf der Suche nach außerirdischem Leben. (Jörn Schafaff)

Kunstmuseum Bochum
im Rahmen der Ausstellung The Sound Is Where?

*1987, lebt und arbeitet in Köln
www.sophiabauer.net

26 Vogelstimmen
2016 / 2022
Künstlerbuch, Postkartenaktion

In ihrer Arbeit 26 Vogelstimmen versammelt Sophia Bauer die Stimmen jener 26 Vogelarten, die seit 1950 nicht mehr in Deutschland als Wildvögel nachgewiesen werden können. Bauer listet die spezifischen Rufe und Gesänge der jeweiligen Art und notiert diese im Rückgriff auf gängige ornithologische Fachliteratur in lautmalerischer Umschreibung. Das sonderbar anmutende Vorgehen der Wissenschaft, die Sprache einer anderen Spezies lautmalerisch in unsere eigene zu übersetzen, verweist dabei auf rührende Weise auf den menschlichen Versuch, sich einer uns fremden akustischen Kommunikationsform zu versichern, indem diese verschriftlicht, lesbar und scheinbar nachahmbar gemacht wird.

Ausgehend von der ursprünglichen Buchpublikation haben sich inzwischen diverse weitere Formate entwickelt. So erscheinen die Vogelstimmen auf Plakatwänden und Litfaßsäulen, werden zur Grundlage musikalischer Interpretation, von wissenschaftlichen Vorträgen oder erklingen beim Vogelstimmen-Karaoke. Für Bochum entstand als neues Format eine Postkartenedition, die sich, in Postkartenständern präsentiert, auf drei Spielorte verteilt. Die Postkarten können kostenlos von den Besucher*innen mitgenommen werden, die die Vogelstimmen wieder in die Welt hinaustragen.

Haus Kemnade, Kulturhistorisches Museum
Museum unter Tage
Kunstmuseum Bochum

*1965, lebt und arbeitet in Düsseldorf
www.fraukeberg.de

Half Dead - Half Alive
2021
Videoprojektion, Klangkomposition, Vitrine

Frauke Bergs Audio- und Video-Installation ist der poetische Versuch, die Instrumente zu reanimieren. Dazu platziert sie eine weitere Vitrine, die zum imaginierten Lebensraum eines (gleichfalls eingesperrten) Paradiesvogels wird und sich in die Ausstellung der halb toten, halb lebendigen Exponate einreiht. Eine Komposition aus elektronischen und analogen Klängen halluziniert einen Dialog aus dem Leben der musealen Exponate und dem zur Schau gestellten Paradiesvogel, das hinter Glas erloschen scheint. (Frauke Berg)

Half Dead - Half Alive befasst sich mit der spezifischen Beschaffenheit der im Haus Kemnade ausgestellten Musikinstrumentensammlung Grumbt. Eine große Zahl von Instrumenten aus der ganzen Welt sind hier mehr oder weniger systematisch zusammengetragen. Raumatmosphärisch ergibt sich ein Mix aus Wertigem und Trivialen, der ein wenig an das Konzept der Wunderkammern erinnert. Frauke Berg greift diese Atmosphäre auf. Die Sammlung der Instrumente schien ihr einen Widerstreit zu beherbergen: das Zurschaustellen hinter Glas macht sie zwar sichtbar, aber nicht hörbar. Das Herz der Instrumente, der Klang, vermag in den Vitrinen nicht zu schlagen.

Haus Kemnade, Kulturhistorisches Museum

*1977, lebt und arbeitet in Köln
www.juliabuennagel.de

Neon Noise
2016 / 2022
Multimediale Installation, QR-Codes, Audiofile

Julia Bünnagels multimediale Installation Neon Noise bezieht visuelle und auditive Elemente, aber auch technische Codes und Praktiken gegenwärtiger Telekommunikation mit ein. Das bodentiefe Fenster im Eingangsbereich des Hauses der Kortum-Gesellschaft füllt die Künstlerin mit einem kachelartigen Muster aus QR-Codes und setzt damit einen weithin sichtbaren Akzent an dem denkmalgeschützten Gebäude am Eingang zum Bochumer Stadtpark. Im Muster der QR-Codes zeichnet sich der Schriftzug NOISE ab, der auf die Klangarbeiten Bünnagels im Kontext der Geräuschmusik verweist. Hier kommt unter anderen dem White Noise, dem Weißen Rauschen als klanglichem Phänomen besondere Bedeutung zu.

Wird der QR-Code mittels Smartphonekamera gescannt, erklingt eine gut 10-minütige Klangarbeit Bünnagels. Ist zu Beginn nur ein gleichförmiges Rauschen hörbar, so bilden sich im Verlauf immer deutlicher rhythmische Muster heraus. Es entwickelt sich eine Klangdramaturgie, die immer klarere Konturen annimmt und neue Elemente, etwa die menschliche Stimme, einbezieht. Ihre Klangcollagen produziert Bünnagel nicht mit den heute verbreiteten digitalen Verfahren, sondern analog mit Schallplattenspielern und manipulierten Schallplatten, die sie unter anderm auch im Rahmen von Soundperformances live einsetzt. Der in den Arbeiten durchhörbare Grundrhythmus resultiert aus der Umdrehungszahl der Schallplatte. Die Installation ist frei zugänglich und kann jederzeit besucht werden.

Haus der Kortum-Gesellschaft

Where Words End
2021
Lack, Holz, Stroboskope

Where Words End. Diese drei Worte treten den Betrachtenden in einer Arbeit von Julia Bünnagel entgegen. Jeden Buchstaben bildet die Künstlerin skulptural anmutend als geometrische Verdichtung aus Linien und deren Zwischenräumen, eingeschnitten in lackierte Holzboxen, die hinterleuchtet von Stroboskopen die Botschaft rhythmisiert aufscheinen lassen. Sprache und Wort sind in Julia Bünnagels Arbeiten ein zentrales Element. Sie besetzen Wände und Räume, treten als Zeichen, Statement und Botschaft auf, werden aber gleichzeitig auch im bildhauerischen Sinne zur plastischen Form. Where Words End weist über die Sprache und die Wörter hinaus, greift nach jenem Bereich, in dem sie als Kommunikationsmittel und Ausdrucksform nicht geeignet sind oder defizitär erscheinen.

„Musik fängt dort an, wo die Worte enden“ soll Johann Wolfgang von Goethe gesagt haben. Where Words End erscheint mit dem Blick auf Julia Bünnagels Gesamtwerk wie ein Reflex auf dieses und andere ähnliche Zitate und wie ein – in diesem Fall stiller – Verweis auf Wahrnehmungsebenen und Mitteilungsmöglichkeiten jenseits von Sprache. Ganz besonders, aber nicht ausschließlich, deutet er auf Sound und Klang, die eine zentrale Komponente in Bünnagels künstlerischer Arbeit darstellen. (Alexandra Käss)

Kunstmuseum Bochum
im Rahmen der Ausstellung The Sound Is Where?

*1966, lebt und arbeitet in Berlin
www.jornebner.info

08 12 1980 (John)
08 12 1980 (Yoko)
08 12 1980 (The Dakota)

2014
Bleistift, Buntstift, Ink Pen, Kreide auf Papier, jeweils 2000 x 1500 mm

In drei großformatigen Zeichnungen setzt sich Jorn Ebner mit der Ermordung John Lennons am 8. Dezember 1980 auseinander. Das Ereignis hat den Künstler stark bewegt und immer wieder beschäftigt. Knapp ein Vierteljahrhundert später setzt sich Ebner in drei großformatigen Zeichnungen mit Lennons und dessen gewaltsamen Tod auseinander. Die Zeichnungen beziehen sich auf John Lennon, Yoko Ono sowie das Dakota Building, in dem sich Lennons Apartment befand und vor dem sich die Tat ereignete. Jorn Ebner nähert sich dem Thema assoziativ in einem abstrakten Geflecht feiner Bleistift- und Bunststiftlineamente. An die Stelle zeichnerischer Konturen treten energetische Verdichtungen der Linienstrukturen. In der dem toten John Lennon gewidmeten Zeichnung ist dies eine statische Konzentration im unteren Bildbereich, bei Yoko Ono eine unruhig über die Bildfläche verteilte Struktur und in der dritten Zeichnung suggeriert eine massive großflächige Verdichtung den dunklen Baukörper des Dakota Buildings. In den Zeichnungen finden innere und äußere Zustände einen visuellen Widerhall.

Haus Kemnade, Kulturhistorisches Museum

Kemnade klingt! 2022
Sounding Bochum
Festival für klangbasierte Kunstformen
Mai bis Oktober 2022
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